Kerstin Werner

Projektmanagerin Pflegemedien bei der Schlüterschen Verlagsgesellschaft

Worin sehen Sie aktuell die größte Herausforderung für die Pflege?
Die größte Herausforderung  ist die Emanzipation der Pflege. Die Pflegenden müssen ihre Interessen selbstbewusst, qualifiziert und mündig vertreten und ihre Zukunft selbst gestalten. Nur so wird sich meiner Meinung nach langfristig etwas ändern.

Warum das so wichtig ist, zeigt einmal mehr die Findungsphase zu den Personaluntergrenzen: Kassen und Krankenhäuser streiten über Personalvorgaben in der Pflege. Aber die wirklichen Experten, nämlich Vertreter der Profession Pflege, haben kein Mitspracherecht. Sie werden angehört, aber Entscheidungen treffen?

Szenario 2030: Wenn sich nichts ändert, wie wird die Pflegelandschaft in naher Zukunft aussehen?
Pflegepersonal in deutschen Krankenhäusern schneidet im Ländervergleich ohnehin schon schlecht ab. So betreut in Deutschland eine ausgebildete Pflegekraft 13 Patienten, in der Schweiz sind es 7,9, in den USA 5,3. Und die deutsche Altenpflege ist personell noch schlechter dran.

Das Szenario? Die personelle Besetzung wird so knapp, dass freiheitsentziehende Maßnahmen wieder „State of the Art“ werden, und Beruhigungsmittel in großen Mengen an Bewohner und Patienten verteilt werden müssen.

…der Deutsche Pflegetag 2019 bedeutet für mich: 
Deutschlands führender Pflegekongress legt mit seinen Themen den Finger in die Wunde. Jahr für Jahr aufs Neue, jedes Mal ein wenig tiefer.

Je mehr Pflegefachkräfte sich in Berlin treffen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich in der Pflegelandschaft etwas zum Guten verändert. Nicht zu unterschätzen ist die mediale Aufmerksamkeit, die an diesem Tag so hoch ist, wie zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr. Das verleiht der Pflege eine Strahlkraft, die politisch nicht zu unterschätzen ist.